Mittwoch, 4. Juli 2007

Neuronale Informationsverarbeitung

In der letzen Sitzung haben wir einen Algorithmus kennengeelernt, der sich vollzieht, wenn wir wir Informationen verarbeiten.
Folgende Schritte laufen dabei ab:

1. Wahrnehmen
2. Betrachten
3. Beobachten
4. Begreifen
5. Erklären und Beschreiben

Als Hausaufgabe sollen wir dies an einem Beispiel deutlich machen.
So dachte ich mir, ich nehme das Beispiel Cocktailmixen - mein Hobby, das ich z. T. durch meinen Vater und z. T. autodidaktisch gelernt habe.

Schritt 1 "Wahrnehmen":
Als Kind habe ich immer wahr genommen, dass meine Eltern alkoholische Getränke ausgeschenkt haben, wenn Besuch anwesend war. Manchmal machte mein Vater auch Cocktails. Die Unterscheidung der Alkoholika bekam ich schnell mit (Musikerfamile!); hängen blieben bei mir allerlei verschiedene bunte Getränke, die mein Vater benutze, wenn er Cocktails mixte. Dabei nahm er i. d. R. keine Vorlagen zu Hilfe sondern improvisierte viel.

Schritt 2 "Betrachten":
Irgendwann habe ich differenzierter wahrgenommen, d. h. zugeschaut, wenn mein Vater Cocktails mixte, weil mich das faszinierte. Da war ich noch sehr jung.

Schritt 3 "Beobachten":
Ich habe dann oft zugeschaut, wenn mein Vater mal wieder mixte. Dabei fielen mir Besonderheiten auf, wie z. B., dass bestimmte Getränke zusammen verwendent wurden und andere nicht. Ein Cocktail, der mehrere Spirituosen (z. B. Gin, Vodka, Rum, Tequila...) beinhaltete, kam selten vor. Mehrere Säfte waren aber durchaus gängig. Von Likören und Sirupen gab es meist nur einen Schuss. Dies waren quasi ungeschriebene Regeln, die beim Cocktailsmixen beachtet werden müssen. Ab und zu habe ich assestiert, aber zunächst nur nach Vorgaben meines Vaters.

Schritt 4 "Begreifen":
Nach Erklärungsversuchen meines Vaters und eigenen Gedanken, habe ich die Regeln aus Schritt 3 verstanden. Mir wurde letztendlich klar, dass Cocktails bunt bzw. optisch ansprechend, süffig und vielseitig sein müssen. D. h. nicht zu viele Spirituosen, weil sie sonst zu stark und bitter schmecken (dass mein Vater mit den Spirituosen bei Cocktails sehr großzügig umgeht, lassen wir jetzt mal außer Acht), Säfte geben die Farbe und füllen und Sirupe die Süße und den optischen Kick. Dementsprechend erfolgt die Dosierung. Auch die Garnierung muss zum Inhalt passen.
Und wenn man Milch oder Sahne mit zu wenig Crushed Ice oder unvorsichtig mit O-Saft mischt, flockt diese halt.
Dies habe ich letztendlich in eigener Erfahrung lernen müssen, wenn ich es nciht gesagt bekommen habe. Dabei konnte es sowohl zu deduktiven als auch induktiven Prozessen kommen. Da ich immer an Beispielen (einzelen Cocktailversuchen) gelernt habe, dominierte die induktive Lernweise.

Schritt 5: Erlären/Beschreiben
In diesem letzen Schritt befinde ich mich momentan. Ich versuche, wenn ich jetzt selbst Mixe, für Fragen meiner Gäste offen zu sein und auch Vorgänge, Regeln und Prozesse weiterzugeben.
Dabei spielt sicherlich der eigene Stil eine Rolle. Ich mache oftmals etwas andere Cocktails als mein Vater und doch haben wir ähnliche Ansätze (wie das Frei-nach-Schnauze-Maß u. ä.).
Ich denke mal, ich werde dieses Handwerk weiter ausbauen (während des nächsten semesters will ich gern kellnern) und hoffentlich auch mal an meine Kinder weiter geben. ;-)

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Zuletzt aktualisiert: 27. Jul, 23:01

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